Montag, 28. Dezember 2009

So...die Diagnose steht...

Die Diagnose, die ich erhielt, war genau die, die ich erwartet hatte. Krebs.

Das musste ich erst einmal sacken lassen.

Da ich ja schon so was geahnt hatte, warum auch immer, hatte ich schon Tage vorher etwas ins Forum geschrieben. Ich rede hier von meinen Haiku der dunklen Art. Das Entstehungsdatum der Haiku ist der 21.06.2009. Passenderweise kam schon 3 Tage vor der Mammographie ein Stein zu mir, ein Kyanit. Dieser ist hilfreich, wenn das Leben aus den Fugen gerät (und das ist es nun gewaltig..) und zur Erfüllung der Lebensaufgabe…nun ja. Mal sehen, was noch so passiert..(einiges deutet sich jetzt schon an)

also: Hier ist der Text: (er steht auch in meiner Mastaba, aber ich poste ihn hier auch nochmal)

Furcht, Zweifel und Angst
sind alte Bekannte
kennen mein Ich gut

Das Rad dreht sich fix
Leben trinkt man wie den Tee
heißer, bittrer Trank

Steine wachsen schnell
Zeit verrint langsam und sanft
Knochen zerfallen

Das Licht wechselt
Helle wird zu Dunkelheit
rotes Blatt fliegt davon

Musik tanzt im Blau
Töne trösten die Wolken
Die Sonne geht nun

So stand ich an diesem Donnerstag abend im Krankenhaus und überlegte „Was jetzt?“ Ich schwor mir dort schon einiges, wie ich mit der Sache umgehen werde, so habe ich für mich beschlossen, dass im worst Case mir kein Plastik an den Leib kommen wird, da dies für mich sich nach „Verdrängen, Nicht-Annehmen und von-mir-Weisen“ anfühlt. Schlicht, etwas vorspiegeln, was nicht dort ist, was nicht mehr wahr ist, und, dies will und werde ich nicht mehr tun. Ich habe mich lange genug verbogen, jetzt ist Schluss damit!
Komischerweise, nein, eigentlich nicht komischerweise war ich während des Gesprächs mit dem Arzt völlig ruhig, genau so ruhig, wie ich vorher aufgelöst war. Ich wusste ja, was kam. Dort erklärte er mir, dass als erstes jetzt diesen Donnerstag der Wächter-Lymphknoten gemarkert wird. Dies ist notwendig, da geprüft werden muss, ob dieser auch schon entartete Zellstrukturen enthält. Wenn dem so sein sollte, wird alles an Lymphknoten aus der Achselhöhle herausgenommen, ist dem nicht so, bleiben diese dort, wo sie sind, und es wird nur der Wächter entnommen. Am nächsten Tag wird operiert.

Als ich dann zu Fuß – um wieder zu mir zu kommen – nach Hause ging, habe ich mir zusammen mit einem meiner Leute überlegt, wie am besten zu verfahren ist. Der Gute hat eine derartig gute Intuition, dass es schon fast unheimlich ist.

Wir kamen überein, die Technik des „Containment“ anzuwenden, bzw. er riet mir dazu. Da ich ihm a) vertraue und b) mich auf seine Intuition verlasse (wenn mich meine in einer solchen Situation im Stich lässt) habe ich auch direkt damit begonnen, und kann nur sagen es ist ein gutes Gefühl. Es macht Mut, schenkt Zuversicht und ist für mich ein guter Weg. Es fühlt sich einfach passend an. Ich erkläre euch das mal:

Containment heißt: Der Körper ist nicht dein Feind! Es wird nur der Tumor bekämpft. Der restliche Teil von mir wird mit guten Gefühlen, Selbstliebe, Kraft, Stärke, guter Ernährung, Sorgfalt und guten Gefühlen gefüttert. Der Tumor (oder wie ich gern sag, mein Ferengi, denn ich sah ihn in der Gestalt eines kleinen, knurrigen, übellaunigen, spitzzähnigen Gnomes) wird in Kevlaer-Folie eingeschweißt, zugenäht, eingewickelt und ein Schutzkreis aus Licht kommt drum herum. Schon als ich es mit ihm besprach, wie ich die Technik anwende, ließ der Kerl die Ohren hängen. Dies tat ich einen Tag später und es hat unheimliche Arbeit gekostet, dies durchzuführen. Er hat sich gewehrt, gemault, gejammert aber es half ihm nichts (*gg)

Dann habe ich ihm erklärt, dass ich ihm keinerlei Energie mehr zuführen werde, sei es in Forum von nicht passenden Lebensmitteln, Frust, Ärger oder sonstigen Sachen.

Jeden Abend wickle ich bewusst eine Folie darüber, nähe es nochmals zu, wickle Duc-Tape drum herum und sorge so dafür, dass der da bleibt, bzw. genauer: dass er nicht streuen kann. Denn Freitag fliegt er raus!

Was auch zum Containment gehört ist, seine Gefühle, Gedanken aufschreiben und herauslassen. Keinerlei emotionaler Stress mehr, nichts mehr zulassen, was einem unpassend vorkommt. Auch die Ernährung ist mir mittlerweile sehr wichtig geworden, so esse ich zum Beispiel kein Schweinefleisch mehr. Ich kann es schlichtweg nicht, es ekelt mich geradezu an. Was ich nun sehr gern hab, ist Fisch und Rind. Überhaupt, alles was rot ist, und grün (Kräuter, lecker! Aprikosen, Pfirsiche, Melonen..hmmm) wird verstärkt. Ja regelrecht gefordert, ich bin zum Beispiel letztes Wochenende beim Einkaufen gewesen, dort lachte mich ein Bund Radischen an, die hätte ich fast beim Kaufmann so aufgegessen…oder Samstags darauf, die Aprikosen…lecker!
(30.06.2009)

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